"Daß die Mittelmäßigkeit zu allen Zeiten herrscht, wer wollte das bestreiten? Aber daß sie heute mehr als jemals herrscht, daß sie allein den Sieg über alles davonträgt und den Weg verstellt, das ist ebenso wahr wie betrüblich. Nachdem ich eine Zeitlang so viele säuberliche Seichtheiten, so viele geleckte Albernheiten, so viele geschickt zugerüstete Torheiten oder Falschheiten an meinen Augen hatte vorbeiziehen lassen, sah ich mich natürlicherweise veranlaßt, dem nachzudenken, was der Künstler einmal war, und es im Geiste zu vergelichen mit dem, was er heute ist; und wieder erhob sich, wie gewöhnlich, am Ausgang solcher entmutigenden Überlegungen unvermeidlicherweise das schreckliche, das ewige »Warum«."
— Charles Baudelaire, Sämtliche Werke/Briefe in acht Bänden, Herausgegeben von Friedhelm Kemp und Claude Pichois in Zusammenarbeit mit Wolfgang Drost, Bd. 5, Aufsätze zur Literatur und Kunst 1857-1860, Schriften zur Kunst, Der Salon 1859, Briefe an den Herrn Direktor der »Revue Française«, I. Der moderne Künstler, S. 128, München/Wien 1989.